Kunst und Kollaborationen
Wie sich spirituelle Erfahrung durch performative Strukturen artikulieren lässt — und wie zeitgenössische Rituale kollektives Spüren, Denken und Verwandeln ermöglichen.
Kunstuniversität Linz
Seit 2025 unterrichte ich „Somatics and Performance“ an der Kunstuniversität Linz, im Rahmen des Kurses Plastik und Umwelt. In vier Modulen innerhalb eines Studienjahres bewegen sich die Studierenden von der individuellen somatischen Erfahrung hin zur Arbeit als Ensemble im Raum und in der Umgebung. Wir folgen den Körpersystemen — Wasser und Nervensystem, Knochen, Muskeln — durch erfahrbare Anatomie, Body-Mind Centering, Authentic Movement, Improvisationsscores wie Swarm, Deep Listening, Stimme, Schreiben und Berührung. Zuhören, Empfangen und das Geben eines Impulses werden gemeinsam geübt, im Studio und draußen am Fluss, und wachsen zu gemeinsamen Performance-Scores.
Waves of Becoming
Ein multimediales Forschungsprojekt zwischen somatischer Arbeit, Choreografie und Videokunst, begleitet von einem Kurzfilm, der im Herbst 2026 Premiere hat. Vor dem Hintergrund zunehmender Vereinzelung und kapitalistischer Denkweisen nähert es sich dem kollektiven Ritual als geteiltem Raum für Fürsorge und Intimität jenseits privater Beziehungen. Improvisatorische Praktiken weichen die Grenzen der Individualität auf und lassen Erfahrungen von Selbstlosigkeit durch kollektive Bewegung auftauchen. Wasser durchzieht die Arbeit als zentrales Bild — Verwandlung, Lebendigkeit, Einheit.
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Video ladenWaves of Becoming · Video: Finnja Willner
Frühere Arbeiten

Echo sagt Bodensatz – Tohubassbuuh
Eine Installation und Performance mit übergroßen Köpfen und Objekten, die die gebaute Umgebung als Gedächtnis der Stadt befragt und die verdrängten, kollektiven Sinnstrukturen, die in ihrem Halbdunkel fortbestehen.

Stauung im Steinbruch
Ein performativer Streifzug inmitten einer problematischen Figurengruppe der deutschen Geschichte im Proviantmagazin der Zitadelle Spandau — beharrliche Sender vergessener Geschichte.

Neophyt – Wanderungen
Lebendige, organisch wachsende Kleidungsstücke und eine installative Klangperformance, die „dialogisches Design“ als posthumane Utopie denkt — Kleidung als gemeinschaftlicher Akt, Ritual und Zeremonie.

Als Nonne und als Verletzter — Teil 1
Solo-Debüt: ein Hybrid aus Konzert, tagebuchartiger Rezitation, Gedichten westlicher Mystiker:innen und Videoinstallation, das aus feministischer Perspektive über ein spirituelles Leben innerhalb der postmodernen Zivilisation nachdenkt.

Als Nonne und als Verletzter — Teil 2
Eine labyrinthische Miniatur zwischen Konzert, Installation und Performance, in der kontemplative Naturwahrnehmungen auf Cyborg-Ästhetik treffen.

dung dung (decomposition)
Über die Utopist:innen und Kommunard:innen des späten 19. Jahrhunderts, die Siedlungen rund um Berlin gründeten — und über die Substanzen, die von diesen meist gescheiterten Modellen blieben.

Save me (not)
Mit Humor stellt die Arbeit den Mythos infrage, Frauen seien von Natur aus das schwache Geschlecht — die Jungfrau in Nöten wird zum Endgegner.

Care 3.0
Ein glamouröser Care-Wettbewerb, in dem sorgende Figuren jenseits fester Geschlechterrollen in Nähren, Trösten, Neinsagen, Zuhören und Geduld gegeneinander antreten.

YOU ARE A WEAPON!
Angreiferinnen in einer körperlich fordernden Auseinandersetzung auf Basis biografischer Interviews — die Bühne wird vom Schlachtfeld zum geschützten Trainingsraum.

SEX
Eine simulierte Pick-up-Veranstaltung der globalen Seduction Community, in der das Re-Enactment zum Ritual der Austreibung wird.

Entertainment
Ein Lebenssimulationsspiel und eine mitreißende Lektion in Kapitalismus, gespielt vollständig in einer erfundenen Fremdsprache.

Aussöhnen mit Deutschland 2
Eine national-religiöse Geisterbahn aus Originaltexten, heimgesucht von der Sehnsucht nach nationaler Einheit und einem gesunden Volkskörper.

Talking Straight Will Set Us Free
Ein simulierter Staatsakt, der fragt, wessen Freiheit hier eigentlich gefeiert wird.

Talking Straight Festival
Eine eintägige parallele Festivalwelt in einer erfundenen Fremdsprache, die das Theater weißer Mitteleuropäer:innen als exotische Wiederentdeckung präsentiert.
Neue Projekte, Performances und Artikel aus meiner Praxis teile ich im Newsletter — etwa vier Briefe im Jahr. Anmelden →
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